Residenzstadt Schleusingen
Durch den Film führt Graf Poppo, ein uriger Ritter. Er taucht aber nur an den extra bezeichneten Stellen auf. Sein Sprechertext kommt nicht von ihm selbst, sondern aus dem Off. Der Ton ist freundlich interessiert, an treffenden Stellen leicht arrogant und ironisch. Der Sprachstil ist dem Althochdeutschen angelehnt, natürlich als Kompromiss zu modernen Inhalten und Aussagen.
Originaltöne von markanten Schleusingern werden noch eingefügt: Sie beginnen immer mit dem gleichen Satz: „Schleusingen ist für mich...!" Die wichtigsten gestaltenden Effekte sind Stopptrick und Grafik-Bild-Transparenz..
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Bertholdsburg Stopptrick Jahreszeiten
Ritter vor Burg
Ritter zeigt Grafenbilder
Ritter mit Kugel am Turm
Alte Landkarte
Flugaufnahmen
Sehenswürdig- Keiten
Stopptrick alte neue Bilder (Schloss, Innenhof, Häuserzeilen und Markt
Menschen auf dem Wochenmarkt Stopptrick Totale Schleusingen, Wochenmarkt, Geschäft und Heckenturm
Bürger Stopptrick Autoverkehr vor Burg Autobahn Neue Karte
Gewerbegebiet
Ritter zeigt altes Handwerk
Wandbilder Rathaus
Glaswerk Schleusingen
Szenen vom mittelalterlichen Burgfest
Ritter im Museum
Minerale
Saurier-ausstellung
Neue Wohnsiedlung
Ritter vor Hütte
Film „Genosse Prinz"
Stopptrick Rekonstruktion Roter Ochse Künstlerleben
Jazzkonzert
Grafenbildnis Stopptrick altes neues Gymnasium Schüler Neues Gebäude
Schüler auf Markt
Abitaufe vor Brunnen
Bild Gräfin
Henneberghalle Sportplatz
Schülertheater
Finnlandreise
Stift Krankenhaus Reha-Zentrum
Stopptrick altes neues Rathaus Ritter belauscht Nixe im Bade
Steinsburg
Landkarte Mittelalterliche Bauten
Henneberg
Kloster Veßra
Stopptrick Jahreszeiten
Stadtbrand
Bauernkrieg
30jährige Krieg
Wandbilder Rathaus
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Stopptrick Kirche Stopptrick Kapelle
Glücksburg Osterburg Hildburghausen Obermaßfeld
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Ritter auf Pferd zeigt Umland Ratscher Stausee Countryfest Heckengereuth
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Stiche 30jähriger Krieg
Grabgelege
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Touristische Highlights
| Vorspann: Schleusingen - Die alte Residenz der Henneberger
Seid gegrüßt, ihr Gaffer aus Nah und Fern. Gestattet, dass ich mich vorstelle: Graf Poppo VII. von Henneberg, wenn ich bitten darf. Dieses hochherrschaftliche Gemäuer habe ich 1223 höchstselbst erbauen lassen und so lasset mich einfach mal schauen, was von meinen glorreichen Taten einst so übrig geblieben ist. Schloss Bertholdburg - der Name stammt von einem meiner gräflichen Nachfolger: Berthold V. Ihr sollet ihn nicht verwechseln mit dem Erfolgreichsten meines Geschlechtes, Berthold VII. Der beriet Könige und Kaiser und griff just 1314, leider erfolglos, selbst nach der Kaiserkrone. Potz Blitz, die alte Feste schauet ja heute besser aus als zu meiner Zeit... Da oben hängt sogar noch die Kanonenkugel, angeblich von dem Kroaten Isolani im Dreißigjährigen Krieg auf meine Festung abgefeuert. Mir dünkt aber eher, die brachte man in der Neuzeit als Touristenposse an.
Von hier regierte ich das Henneberger Land: Es reichte dereinst von Coburg bis Schmalkalden und von Königshofen bis Ilmenau. Es sind die Südausläufer des Thüringer Waldes, im Durchschnitt 400 m über dem Meeresspiegel, das grüne Herz Deutschlands. Ein Land, so wellig wie die Toskana, so waldreich wie Kanada, so geschichtsträchtig wie Irland. Und mir deucht: Es ist heute wie früher voller Lebenskraft. Nur - damals regierte ich von hier aus ein kleines Reich. Heute, so sagen die Jetztbürger, ist man nicht mal Kreisstadt. Aber wenn ich mich so umschaue, so könnte ich mir auch heuer keine schönere Residenz vorstellen: Häuser und Straßen sind in Schuss, einladendend die Atmosphäre, der Gemeine scheinet sich wohl zu fühlen. Vieles erkenne ich wieder ...
Augenscheinlich blühen, wie zu meiner Zeit, Handel und Wandel. Es gibt noch Wochenmärkte und Waren werden, wie eh und je, feil geboten. Die Stadt ist groß geworden über die Jahrhunderte. Trotzdem ist die strategische Lage auf dem Bergrücken noch gut erkennbar. Hah, Verrat! Nach Norden hin haben sie meine Stadtmauer abgerissen. Müssen die sich heute nicht mehr gegen Söldnerbanden und Rattenfänger wehren? Immerhin: Das Volk wirket frei, aufgeschlossen und freundlich. Und auffallend umtriebig! Überall diese selbstfahrenden Teufelskutschen, die auf riesigen Fahrstrecken nach, um und in Schleusingen fahren. Unsereins ist noch auf Ochsenkarren durch schlammige Hohlwege dahergekommen.
Auch ordentlich zupacken scheinen sie noch zu können, meine Schleusinger. Überall neue mittelständige Unternehmungen - der Rührige scheint sein Auskommen zu haben. Ich habe mir meinen Zehnt noch von den Bauern geholt. Später kamen Getreidemühlen dazu und Bergbau mit der Verhüttung von Eisen und Kupfer. Im 16. Jahrhundert dann gründete sich der Erfolg des Henneberger Landes auf die Holzverarbeitung, Papierherstellung und Druckerzunft. Es kamen dereinst noch Glashütten, Leder- und Porzellanmanufakturen, ja selbst eine Strumpffabrik hinzu. In der Zeit der Roten Ritter im Sozialismus wurden dann absonderliche Elektromotoren für Haushaltsgeräte hergestellt. Heute finde ich in dieser langen wirtschaftlichen Tradition noch das Glaswerk Schleusingen.
Feiern scheinen meine ehemaligen Untertanen auch noch zu können. Das Völkchen weiß sogar zu würdigen, was Unsereins gegolten hat. Beim jährlichen Burgfest, immer am letzten Wochenende im Mai, steht die gute alte, glorreiche Zeit im Mittelpunkt.
In meinen ehemaligen Kemenaten entdecke ich heuer das Naturhistorische Museum. Natürlich spiele ich dort in einer Ausstellung zur Burg- und Stadtgeschichte die wichtigste Rolle... Die Sammlung seltener Minerale hier, würdig in meinen Burgschatz aufgenommen zu werden, soll sogar unter internationalen Gelehrten anerkannt sein. In jüngerer Zeit ist noch eine Schau mit allerlei seltsamen Getier hinzu gekommen. Die sollen noch älter sein als ich, nämlich 30 Millionen Jahre.
Doch heute scheint es den Nachkommen meiner Untertanen einfach zu gut zu gehen. Was die sich für Prachtbauten in und um die Stadt hingestellt haben. Standart und Komfort wie er eigentlich nur einem Grafen zukommt. Anno Domini 1325 wohnte der Gemeine noch so.
Wahrlich eine Stadt, wie für eine Theaterkulisse geschaffen. Die Neumenschen erzählten was von einem Spielfilm, der in sozialistischer Zeit hier gedreht woudel. Der Titel: Genosse Prinz, in dem die Stadt das spielte was sie einmal war: Eine herrschaftliche Residenz.
Überhaupt mit der Kunst haben's die jetzt: Gründeten doch just einen Künstlerhof: Der Roter Ochse. war zu meiner Zeit noch Wirtshaus, dann Wohnhaus, später war er total zerfallen. Just da kaufte es ein kulturell wie sozial aufgeschlossener Rheinlandpfälzer und machte eine Kunstwerkstatt daraus. Hier können sich junge Künstler ausprobieren, obendrein noch mit einem Stipendium ausgestattet. Und sehet, wenn hier die Fanfare erschallt, strömen alle zu Hauf...
Aufgemerkt! Schon immer etwas besonderes war die Wissbegierigkeit hierzulande. Nicht zuletzt deshalb gründete 1577 mein bedeutender Nachkomme Fürst Georg Ernst eines der ersten Gymnasien in Deutschland. Noch heute nimmt man an den Universitäten des Landes gerne Absolventen aus der frisch rekonstruierten Schleusinger Bildungsanstalt. Mit der Teilnahme an internationalen Wettbewerben hat man sich bis Japan einen Namen gemacht. Ein Völkchen, das sich äußerst belebend auf die Stadt auswirkt und ihr den Namen eines traditionsreichen Schulstandortes eingebracht hat. Nun ja, etwas unstandesgemäß geht es schon zu, wenn die frisch gebackenen Abiturienten getauft werden. Ein Fest, dass sich seit Jahrzehnten eingebürgert hat. Das Treiben bewacht Elisabeth von Henneberg, die Gute Seele unserer Familie. Es war die Gemahlin Georg Ernsts, die sich um die Armen und Waisen der Stadt verdient gemacht hatt. Klar, dass der neue Tournierplatz für die Schüler der Stadt nach meinem Geschlecht benannt wurde: Die Henneberghalle nebst moderner Sportanlage...
Die Weltoffenheit der Henneberger, natürlich von mir begründet, zeigte sich 2001 in einem simplen Theaterstück. Der finnische Nationaldichter Aleksis Kivi hat im vergangenen Jahrhundert meine Stadt in der Komödie „Bierfahrt nach Schleusingen" besungen. Der Bürgermeister ließ sie übersetzen, die Gymnasiasten studierten sie prompt ein und führten sie anlässlich einer Freundschaftsreise nach Finnland auf. Ein derber Spaß...
So wie Schleusingen heute ein traditionsreicher Schulstandort ist, war die Stadt auch immer ein Ort der edlen Hilfe für andere Menschen. Das Wilhelm Augusta Stift...Das Krankenhaus...Das Zentrum für Rehabilitation...
Am Rathaus steigt noch immer die Nixe SLUSIA aus dem Teiche. Sie symbolisiert die Sage, nach der die Stadt ihren Namen erhalten haben soll. Das jedenfalls redete ein Romantiker im 19. Jahrhundert den Leuten ein. Dabei stammt der Name Schleusingen wahrscheinlich von Wasserschleusen ab, nach denen der Fluss hier im Tal benannt wurde: Die Schleuse... Schöner wäre es aber das mit der jungen Maid gewesen...
Die Ursprünge der Besiedelung unserer Region sind bereits bei den Kelten zu suchen. Noch heut findet sich deren gewaltige Ringburg auf den nahegelegenen Gleichbergen. Im 8. Jahrhundert gehörten wir zum Frankenreich. Noch heute höre ich ist die fränkische Mundart heraus. In jener Zeit zog man aus dem Werratal heraus und besiedelte die Waldgebiete am Südhang des Thüringer Waldes. Dazumal entstand unsere Familienburg. Ihre Reste könnet ihr erblicken in Henneberg, immerhin ein Tagesritt von Schleusingen entfernt. Stammvater Gothebold II gründete dann das Kloster Vessra, hier wo Werra und Schleuse zusammenfließen. Geschehen anno Domini 1131. Das heutige Hennebergische Museum ist justament dem Wirken meiner Familie gewidmet. Aus ganz Südthüringen wurden Häuser meiner Lehnsleute hierher umgesetzt.
Die sogenannte Villa Slusungen trat 1223 das erstemal ins Rampenlicht der Geschichte, damals wahrscheinlich noch ein Einzelhof. Hier entschied ich mich, meine neue standesgemäße Repräsentanz zu bauen. Hier überlebte der Name Henneberg trotz aller Widrigkeiten der Geschichte. Mehrere Stadtbrände gab es, der Schlimmste 1353, die Pest, Hexenverbrennung und Reformation. Während des Bauernkrieges mussten sich meine Landsknechte mit dem aufständigen Werrahaufen, herumschlagen.
Gar schlimm traf es meine Stadt im 30-Jährigen Krieg. Sie wurde zwar nicht zerstört aber gnadenlos ausgeplündert. Der schon erwähnte Isolani, Heerführer Tilly, Schwedenkönig Gustav Adolf II und ein Abgesandter Wallensteins trafen sich damals in Schleusingen. Auf mehreren Fürstentreffen balgten sie sich um die Macht.
Doch da war unser Geschlecht schon ausgestorben. Der schon genannte Schulstifter Georg-Ernst hatte keine männlichen Nachkommen mehr. Ständige Erbteilungen und Schuldenmacherei hatten dem Land den Garaus gemacht. Der Restbesitz ging an die Ernestiner und Albertiner, später an Sachsen und Preußen als Provinz. In der Schlosskirche findet sich unsere Familiengruft, die St Egidienkapelle...
Doch die Henneberger waren nicht tot zu kriegen: Schlösser, Burgen und Anlagen aus meiner Zeit, sind heute Touristische Highlights, wie die Leute neudeutsch sagen. Die Glücksburg in Römhild, die Osterburg über dem mittelalterlichen Themar, die heutige Kreisstadt Hildburghausen, die Steinbrücke in Obermaßfeld, usw... Auch der kunstvoll angelegte Wassergraben aus dem Mittelalter zeugt von der weitsichtigen Hofhaltung meiner Herrschaftlichen Sippe: Schleusingen ist fürwahr schon immer eine der saubersten Städte weit und breit.
Die große Geschichte aber spielte sich inzwischen woanders ab, was auch seine Vorteile hatte. Von den beiden Weltkriegen hat Schleusingen kaum etwas abbekommen, sosehr seine Einwohner auch von Not und Pein geplagt wurden.. Auch 45 Jahre Deutsche Demokratische Republik haben der Stadt wenig anhaben können. Selbst die Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands begingen meine Henneberger gesittet.
Heute werden nur noch wenige Dörfer von Schleusingen verwaltet. Sie liegen in dem malerischen Umland der Stadt. Der Ort Ratscher kann sogar mit einem großen Stausee aufwarten. Ein Paradies für Wasserratten, Sonnenanbeter und immer ... auch für Freizeitcouboys und Countryfans. Direkt am Bergsee Ratscher liegt der Ortsteil Heckengereuth, mit königlichem Blick selbst für den gemeinsten Anwohner.
Einmalige Ausblicke über die Ausläufer des Thüringer Waldes hat die Ortsgemeinde Gottfriedberg. Wie in allen Siedlungen der Region wird hier kaum noch Ackerbau und Viehzucht betrieben. Hier wohnt man einfach nur noch fürstlich. Ein anderes eingemeindetes Dorf ist Gethles mit knapp 400 Einwohnern. Hier hat sich ein heidnischer Brauch aus meinen Tagen erhalten. In der Nacht vor Heilige Abend ziehen die Dorfburschen, verkleidet als sogenannte Herschegloße, von Haus zu Haus, teilen Süßigkeiten aus und lassen sich ebenfalls beschenken. Ein Fest, dass immer wieder bei der nachfolgenden Generation Begeisterung und damit Nachfolge erfährt. Typisch für Thüringen aber ist das Erntedankfest, genannt die Kirmes. Wie zu meiner Zeit wird es rings umher in all seinen traditionellen Fassetten gefeiert...
Im benachbarten Rappelsdorf gibt es sogar noch Landwirtschaft. Heute natürlich nicht mehr auf den schmalen Parzellen wie Anno Dunnemal. Seit den großflächigen Genossenschaften in sozialistischer Zeit, wird die Krume um Schleusingen maschinell bearbeitet...
Eingebettet in ein schmales Tal des Kleinen Thüringer Waldes - der Ortsteil Fischbach. Wo ich einst zur großen Jagd geblasen habe, erholt sich heute das gemeine Volk.
Da ist die Touristische Großregion Thüringer Wald mit dem berühmten Rennsteig, nur 17 Kilometer von Schleusingen entfernt.. Einst Grenzverlauf zwischen Franken und Thüringen, heute Tummelplatz für Wanderer und Sportler aus aller Welt. Bekanntester Erholungsort hier das Wintersportzentrum Oberhof, wo auch im Sommer mit Klettergarten und Therme Sehenswürdigkeiten locken. 30 Kilometer westlich liegt die Herzogliche Residenz Meinigen, mit dem noblen Ambiente von Schloss und Staatstheater. Viel näher schon die mittelalterliche Waffenschmiede Suhl, heute mit großen Einkaufzentren, Erlebnisbad, Kino und Olympischem Schießgelände. Über die Autobahn ist in nur 20 Minuten das fränkische Coburg zu erreichen. Auch ihre gigantische Veste war einst im Hennebergschen Besitz. Und mittendrinn meine alte neue Residenz: Die Atmosphäre in Schleusingen zeigt sich am besten zum Stadtfest, immer am letzten Wochenende im Juni. Fast 50 Vereine zeugen von einer lebendigen Bürgerschaft...
Ganz Schleusingen ist ein einziges Kulturdenkmal: Das sogenannte Jägerhaus, die Teutsche Schule, die Vincens-Mühle, das Brunnenhäuschen im Schlosspark, die Gaststätte Zur Sonne und der alte Heckenturm an der Stadtmauer.
Sie alle künden von einer glorreichen Zeit - meiner Zeit. Ohne mich hätte es das natürlich alles nicht gegeben. Lasset mich also wieder beruhigt ins Dunkel der Geschichte zurückkehren. Die Stadtväter haben ganze Arbeit geleistet. Meinem Schleusingen geht es besser denn je. Es ist auch heute immer eine Reise wert und - es ist Meiner würdig.
Abspann: Schleusingen - Die alte Residenz der Henneberger Ein Film von Hans-Joachim Heß im Auftrag der Stadtverwaltung Schleusingen Graf: Steffen Hartwig Schnitt: Andreas Witter
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Hans-Joachim Heß






